Universal testet Musik-Downloads ohne Kopierschutz
Bei Kunden sind Kopierschutzmaßnahmen bei Musik-Downloads unbeliebt, doch die Industrie tut sich schwer damit, darauf zu verzichten. Jetzt wagt Universal das Experiment: Für begrenzte Zeit sollen Dateien ungeschützt verkauft werden - fast überall, nur nicht bei Apples iTunes.
Digital Rights Management (DRM) galt in den letzten Jahren als Notwehr der Musikindustrie gegen die Flut der Raubkopien. Bei Kunden hingegen gelten DRM und Kopierschutz als Ärgernis - und in den letzten zwei Jahren zunehmend als potenzielles Handelshindernis. Innerhalb der Branche tobt ein Meinungskampf zwischen denen, die DRM und Co für unverzichtbar und denen, die es für den Hauptgrund halten, warum nach wie vor relativ wenig Kunden Musik online legal erwerben.
Als bisher einziger Musikkonzern trennte sich vor einigen Monaten EMI vom DRM, verkauft seitdem zu einem leicht erhöhten Preis DRM-freie Dateien über Apples iTunes-Shop, der im Online-Musikmarkt eine monopolhafte Stellung hält. Seitdem warten Branchenbeobachter darauf, dass andere große Labels EMIs Vorbild folgen.
Das hat Universal, die weltweit größte Musikfirma, nun durchaus nicht vor: Ausdrücklich erst einmal als zeitlich limitiertes Experiment wagt Universal den DRM-Verkauf einiger Tausend Titel aus seinem Katalog. Der Handel soll über die Webseiten der Künstler, zu denen unter anderem 50 Cent, Amy Winehouse und Sting gehören, sowie über eine Vielzahl von Verkaufsplattformen laufen. Nur Apples iTunes Shop findet sich nicht in der Liste, und natürlich nicht zufällig.
Das Verhältnis von Apple und den großen Labels ist seit langem äußerst ambivalent. Zum einen sorgt iTunes für geschätzt über 70 Prozent des weltweiten Musik-Download-Umsatzes, zum anderen aber stoßen sich die Labels an der Marktbeherrschenden Stellung des Shops. Denn Apple diktiert der Musikindustrie Preise und Bedingungen, und das schmeckt der gar nicht: Vor kurzem scheiterte der Versuch der Labels, bei iTunes höhere Preise durchzusetzen, kläglich: Apple-Chef Steve Jobs ließ die Label-Chefs kühl abtropfen und schulmeisterte die die Musik-Manager öffentlich, indem er in Interviews über die Widersinnigkeit von DRM-Maßnahmen zu sinnieren begann. Kurz darauf konnte Jobs mit EMI einen mächtigen Partner
präsentieren, der aus der Phalanx der Labels ausbrach und sich auf das Abenteuer des ungeschützten Musikverkaufs einließ.
Ergebnis könnte Markt umkrempeln
Universal wagt den nun mit eingeschränktem Katalog, aber konsequent. Denn hinter der Entscheidung, den Verkauf nicht über Apples iTunes Shop laufen zu lassen, stehe mitnichten eine Watsche gegen Apple, wie Universal-Sprecher Peter LoFrumento erklärt: Die Musikfirma wolle sehen, wie sich der verkauf von DRM-geschützter Musik in Konkurrenz zu DRM-freier behaupte, wie dieser Schritt den Markt bewege. Im Klartext: Universal will sehen, ob ein eventueller Erfolg des DRM-freien Verkaufs groß genug ausfallen könnte, angenommene Verluste beim Verkauf DRM-gebundener Musik auszugleichen. Universal sucht also die Antwort auf die Gretchenfrage der Musikindustrie: Nutzt oder schadet der Verzicht auf DRM?
Anders als EMI wirft Universal seine DRM-freien Waren zum (von Apple fast weltweit durchgedrückten) Einheitspreis von 99 Cent pro Song auf den Markt. Das Verkaufsexperiment läuft zunächst vom 21. August dieses Jahres bis zum 31. Januar 2008.
Das Resultat des Versuches dürfte entscheidend dafür sein, wie sich der Musik-Downloadmarkt in den nächsten Jahren gestaltet. Sollte Universal am Ende entscheiden, künftig auf DRM zu verzichten, könnten auch Warner und Sony BMG, die letzten beiden Großlabels, die bisher gar nicht auf DRM verzichten wollen, folgen. Die meisten Indie-Labels verzichten bereits seit Jahren darauf. Für Michael Gartenberg, Analyst beim renommierten Marktforschungsunternehmen Jupiter, ist der Trend schon jetzt klar: Das Ende der DRM-Downloads, orakelte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP, sei nah.
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