Heft Nr. 13
CHRISTOPH DAUM
Arbeiten für die Zukunft
Vor einigen Wochen hat Christoph Daum den Spruch geprägt: "Fußball ist ein Spiel der Realitäten!" Realistisch betrachtet wird der 1. FC Köln auch in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga spielen. Christopher Lymberopoulos sprach mit Christoph Daum über die aktuelle Situation und die Perspektiven des 1. FC Köln.
GeißbockEcho: Christoph Daum, als Sie beim 1. FC Köln angetreten sind, wurden Sie empfangen wie ein "Heilsbringer". Drei Monate später steckt der FC im Mittelfeld der 2. Bundesliga fest. Ist Ihre "Mission" schwerer, als Sie es sich vorgestellt haben?
Christoph Daum: "Sie hat sich als viel schwieriger herausgestellt, als es die Fakten zum Zeitpunkt meiner Zusage verrieten. Es haben sich Dinge herauskristallisiert, die verändert werden müssen. Eines ist klar: Ich bin kein Zauberer, kein 'Handaufleger' und kein Messias, sondern einer, der durch Arbeit überzeugt. Das dauert seine Zeit. In unsere Situation kommt man nicht innerhalb von ein paar Monaten und aus unserer Situation kommt man auch nicht innerhalb von ein paar Monaten wieder heraus. Dazu braucht man Geduld und Ausdauer."
Bereuen sie heute, dass Sie sich vor drei Monaten von den Emotionen haben leiten lassen, als Sie zum FC zurückgekehrt sind?
"Du kannst nicht emotionsfrei an eine Liebe herangehen."
Was muss passieren, damit der 1. FC Köln wieder nach oben kommt?
"Zunächst müssen wir alle verinnerlichen, was es heißt, in der 2. Bundesliga zu sein. Ich habe den Eindruck, dass viele im Umfeld des FC gedacht haben, wir sind der große 1. FC Köln und die 2. Bundesliga ist nur ein Betriebsunfall. Es herrschte der Glaube, wir hätten dort nichts zu suchen, weil wir viel besser sind und einen großen Etat haben. Dabei bestimmt der Etat nicht die Platzierung. Wir sehen ja bei anderen Vereinen, dass weniger oft mehr ist. Jeder muss wissen, dass Namen uns keine Punkte garantieren. Aber wir sind auf dem Weg - mittlerweile ist viel Demut, Realitätssinn und Ernüchterung bei allen in und um den 1. FC Köln eingekehrt und das ist gut so."
In den vergangenen Jahren wurde beim FC zu Saisonende meist der halbe Kader ausgewechselt...
"Durch die vielen Auf- und Abstiege ergaben sich viele personelle Veränderungen, die man gar nicht verhindern kann. Es ist wichtig, dass wir jetzt eine längerfristige Philosophie entwickeln. Wir haben den Vorteil, dass wir auf absehbare Zeit beim 1. FC Köln eine stabile und kompetente Führungsmannschaft haben werden -
Präsident Wolfgang Overath, der gesamte Vorstand, das Management und das Trainerteam. Die Kontinuität im Führungsbereich sollte die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, um hier eine Mannschaft aufzubauen, die aus der 2. Bundesliga herausgeht und sich anschließend auf die Bundesliga gewissenhaft vorbereitet."
Ist dazu noch einmal ein "großer Schnitt" nötig?
"Es wird Veränderungen geben. Die Ziele, die wir uns gesetzt haben, konnten wir mit diesem Spielerkader nicht realisieren, also werden einige Spieler den Verein verlassen. Aber ein Großteil wird auch bleiben. Ich weiß noch nicht zu 100 Prozent, wen ich behalten will und wen nicht. Wir haben im Augenblick 28 Spieler, davon spielen 15, 16 auch in der nächsten Saison eine wichtige Rolle. Manche Verträge sind allerdings an die Bundesliga gekoppelt und es wird Überzeugungsarbeit notwendig sein, um wichtige Eckpfeiler der Mannschaft beim 1. FC Köln zu halten. Außerdem geht es darum, welche fünf, sechs Spieler wir als Verstärkung dazu gewinnen können. Der Charakter des einzelnen Spielers ist dabei wichtiger als das sportliche Können, denn der Charakter einer Mannschaft entscheidet am Schluss über die Platzierung."
Haben Sie freie Hand bei den Transfers?
"Das wäre gefährlich und töricht, wenn man einer Person in diesem Bereich freie Hand ließe. Das würde ich selbst auch nicht einfordern. Man kann heute nicht mehr in einem mittelständischen Unternehmen nach Feldherrenart Entscheidungen treffen - das muss man im Team machen. Wir haben ein internes Scouting-Team mit vier hauptamtlichen Scouts, darüber hinaus ein externes Expertenteam, das wir auch in die Entscheidung einbeziehen. Michael Meier hat über zwanzig Jahre Erfahrung als Manager und mit 'seinen' Teams die Deutsche Meisterschaft und sogar die Champions League gewonnen - seine Vita spricht für seine Kompetenz. Und Roland Koch und ich bringen dann auch noch einiges an Erfahrung mit, sodass wir hier eigentlich genügend Fachkompetenz haben sollten, um die richtigen Spieler für den FC zu finden."
Der 1. FC Köln ist aus Ihrer Sicht also gut aufgestellt?
"Ich glaube, dass der 1. FC Köln sehr gut aufgestellt ist. Wir haben es geschafft, dass 40.000 Menschen Woche für Woche ins Stadion kommen. Dazu kommt, dass der FC auch wirtschaftlich gut da steht, überall wird solide gearbeitet, und wir werden diese Saison trotz der sportlichen Enttäuschung mit einer schwarzen Zahl abschließen. Das Wichtigste, was fehlt, ist eine Mannschaft, die all das auf dem Spielfeld mit überzeugenden Leistungen belebt. Wenn wir das hinbekommen, wird der 1. FC Köln wieder eine wichtige Rolle im deutschen Fußball spielen."
Zuletzt wurde aber massive Kritik laut...
"Fakt ist, dass wir hier alle in der Bundesliga sein wollen, und weil das Ziel so weit entfernt ist, ist es normal, dass der eine oder andere seinen Unmut äußert. In der Situation, in der wir sind, muss man auch einstecken, ob man nun
Präsident, Trainer oder Manager ist. Dass einige Leute kritische Fragen stellen gehört dazu. Wichtig ist, dass wir eine Einheit darstellen, die ein gemeinsames Ziel verfolgt, einen 1. FC Köln aufzustellen, der aus der 2. Bundesliga herausgeht. Alle Diskussionsbeiträge, die uns weiterbringen, nehmen wir gerne auf. Alle, die uns unqualifiziert attackieren, bringen uns nicht weiter."
Kann man in Köln überhaupt in Ruhe etwas aufbauen?
"Es ist wichtig, störende Dinge auszuklammern. Wenn wir Entscheidungen treffen, die kurzfristigen Interessen dienen, dann wären das schwache Entscheidungen. Es müssen hier vielleicht erst einmal ein paar Entscheidungen getroffen werden, die nicht die öffentliche Akzeptanz finden, die schmerzliche Eingriffe bedeuten, um dem 1. FC Köln die Chance auf einen Neuaufbau zu ermöglichen."
Muss man dies nicht auch einmal so deutlich sagen?
"Die meisten Fans haben das schon längst kapiert, denen braucht man das nicht mehr zu sagen. Die Fans sind in den letzten Jahren durch viele Tiefs gegangen und hoffentlich bereit, mit uns diesen neuen, schwierigen Weg zu gehen. Wir wissen, wo wir stehen und ich weiß, wo die Fans stehen, das haben mir auch die Gespräche der letzten Wochen gezeigt. Wichtig wird sein, dass der Verein sich jetzt konsolidiert und neu aufstellt. Und für mich kann das nur heißen 'arbeiten, arbeiten, arbeiten' - arbeiten für die Zukunft."
Dieser Weg könnte ein langer sein - ist der FC vielleicht sogar Ihre letzte Trainerstation?
"[lacht] Ich gehe auf die 60 zu [Daum ist 53, Anm. d. Red.] - es könnte in der Tat meine letzte Trainerstation sein. Ich weiß, dass man sich in einer Führungsrolle wahnsinnig einbringen muss, derzeit ist eine 80-Stunden-Woche für mich wieder Normalität. Im Augenblick ist es sehr viel Arbeit, weil wir den FC wieder auf die Erfolgsgleise führen müssen. Momentan steht der Verein auf einem Nebengleis in einem Bummelzug. Ich habe aber auch in der Vergangenheit bis auf eine Ausnahme nie fertige Mannschaften übernommen. Entweder habe ich Mannschaften auf Abstiegsplätzen übernommen oder in Problemsituationen. Hier habe ich jetzt das bislang schwierigste Arbeiten. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir im nächsten Jahr zur gleichen Zeit anders da stehen werden."
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