Verdächtiger Cichon: "Damit habe ich nichts zu tun"
Ex-Osnabrück-Coach Claus Dieter Wollitz fuhr es durch Mark und Bein, als er diese Nachricht hörte: Nach Informationen von 'welt.de' stehen seine ehemaligen Spieler Thomas Reichenberger, Thomas Cichon und Marcel Schuon unter Verdacht in den Wettskandal verstrickt zu sein - nur Reichenberger spielt derzeit noch in Osnabrück.
"Fakt ist: Gegen Marcel Schuon wurde ermittelt und eine Hausdurchsuchung gemacht, aber es wurde kein Haftbefehl erlassen", teilte Schuons aktueller Verein Sandhausen mit. Manager Tobias Gebert sagte: "Wir haben daraufhin mit Marcel Schuon ein persönliches Gespräch geführt, er hat uns versichert, dass er nichts gemacht hat. Ich denke, in Deutschland gilt die Unschuldsvermutung."
Nach Informationen der 'Neuen Osnabrücker Zeitung' sollen Spieler des VfL Osnabrück in mögliche Spielmanipulationen in der 2. Fußball-Bundesliga verwickelt sein.
"Ich weiß nicht, dass gegen mich ermittelt wird", sagte Thomas Cichon zu 'welt.de': "Wer mich kennt, der weiß, was los ist, damit habe ich nichts zu tun. Das ist reine Spekulation."
Der 33-Jährige, der vor kurzem zu den Moroka Swallows nach Südafrika gewechselt ist, hat bezüglich des Wettskandals wohl bereits mit dem VfL-Spieler Matze Heidrich gesprochen. Cichon beteuerte, er könne sich auch nicht vorstellen, dass "irgendeiner aus dem Verein damit zu tun hat".
Am Freitagabend ist unterdessen der erste Spieler festgenommen worden. Der Landesligist Würzburger Kickers teilte mit, dass einer seiner Akteure im Zusammenhang mit dem Wettskandal verhaftet worden sei.
Wie der Verein weiter bekannt gab, war der Spieler bereits in einen früheren Wettskandal verwickelt. Der Akteur habe damals auf Bitten eines asiatischen Wettbetrügers einen anderen Spieler gebeten, bewusst schlecht zu spielen. Der Spieler war daraufhin zu einer Geldstrafe von 8.400 Euro verurteilt worden.
"Dieser Teil seiner Vergangenheit wurde bei seiner Verpflichtung offen diskutiert, mit dem Ergebnis ihm als Fußballer eine zweite Chance zu geben", hieß es in der Mitteiltung.
Reichenberger, Cichon und Schuon blieben von einer Verhaftung zunächst verschont. Nach Angaben der 'Neuen Osnabrücker Zeitung' verdächtigt die Staatsanwaltschaft Bochum als Drahtzieher einen 34-Jährigen aus Lohne, der mit Hilfe von VfL-Profis zwei Spiele aus der vergangenen Saison manipuliert haben soll.
Bei den Partien soll es sich um die Auswärtsspiele der Osnabrücker beim FC Augsburg (0:3) am 17. April 2009 und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai 2009 handeln. Die Staatsanwaltschaft machte auf einer Pressekonferenz hingegen keine genauen Angaben über betroffenen Spiele, Vereine und Personen.
Ex-Coach Wollitz: "Das ist für mich das Allerschlimmste"
Osnabrück reagierte überrascht auf den Pressebericht. "Wir waren sehr überrascht, als wir von den Mutmaßungen gelesen haben und werden uns nicht an Spekulationen beteiligen", teilte
Präsident Dirk Rasch in einer Presseerklärung mit. Ob bei den betroffenen Zweitligapartien auch ehemalige VfL-Fußballer betroffen sind, sei dem Verein zur Zeit nicht bekannt.
"Wir werden uns selbstverständlich für eine enge Zusammenarbeit mit dem DFB, der DFL und der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stellen", sagte Rasch, dem an einer "umfassenden Aufklärung des Sachverhaltes aus eigenem Interesse natürlich sehr gelegen ist. Wichtig ist für uns zu betonen, dass der Verein VfL Osnabrück der Leidtragende ist."
Osnabrücks damaliger Trainer Claus-Dieter Wollitz, jetzt bei Energie Cottbus tätig, war geschockt. "Das ist für mich das Allerschlimmste. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, weil man jede einzelne Szene durchgeht. Ich bin nicht nur erschüttert, sondern am Boden zerstört. Ich habe immer gedacht, der Fall Hoyzer wäre ein Einzelfall. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen."
Der verdächtige Mann aus Lohne soll am Donnerstag verhaftet worden sein. Im Rahmen der bundesweiten Polizeiaktion soll auch die Wohnung eines der verdächtigen Profis durchsucht worden sein. Er spielt seit Sommer 2009 nicht mehr beim VfL.
Der Verhaftete habe laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft hohe Summen auf die beiden VfL-Spiele gesetzt und sich dabei auf eine Tordifferenz festgelegt, die dann tatsächlich eintrat. So soll er für die Augsburg-Partie beim asiatischen Anbieter 'sbobet' 150.000 Euro darauf gewettet haben, dass die Gastgeber mit drei Toren Unterschied gegen den VfL gewinnen.
Aus abgehörten Telefonaten einer Sondereinheit der Polizei Bochum gehe hervor, dass der Verdächtige Kontakt zu einem Profi des VfL Osnabrück aufgenommen habe, der in dem Spiel mitwirkte.
Außerdem soll der 34-Jährige von der Staatsanwaltschaft in Zusammenhang mit zwei weiteren VfL-Spielern aus der letzten Saison gebracht worden sein.
Im letztjährigen Team soll es nach Angaben der 'Neuen Osnabrücker Zeitung' einige Profis gegeben haben, die regelmäßig und teilweise mit erheblichen Summen auf Fußballspiele gewettet haben.
Einem Spieler, der sich wegen Wettschulden offenbarte, soll ein Gehaltsvorschuss gezahlt worden sein - unter der Voraussetzung, dass er sich in eine Therapie begeben würde.
Quelle: Verdchtiger Cichon: 'Damit habe ich nichts zu tun' - Fuball | Live Ticker| Ergebnisse | Tabelle - sport.de